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Nordsee soll wieder zum Lebensraum der Austern werden

 

Lange waren Austern ein natürlicher Bestandteil der Nordsee. Doch die Fischerei wurde für sie zur Belastungsprobe und Herausforderung, die sie nicht gewannen. Etwa um 1930 verschwanden die Austern vollständig aus der Nordsee und damit ging dem Meer ein wichtiges Lebewesen verloren. Über Jahrhunderte haben sie zur Sauberkeit des Meeres beigetragen. Nun überlegen Wissenschaftler, wie die Austern langfristig wieder in der Nordsee angesiedelt werden könnten. Hierfür wurde vom BfN, dem Bundesamt für Naturschutz sowie dem Alfred-Wegner-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung ein Projekt ins Leben gerufen. Es soll sich in erster Linie damit auseinandersetzen, welche praktischen Möglichkeiten es gibt, um diese besondere Muschelart wieder im Freiland anzusiedeln. Ein Team aus Experten soll diese Optionen intensiv erforschen. Nach derzeitiger Planung soll sich das Projekt 3 Jahre mit dem Thema auseinandersetzen. Der BfN fördert es mit Geldern in Höhe von 540.000 Euro.


Bestand der Europäischen Austern ist europaweit gefährdet


Europaweit gilt der Austernbestand mittlerweile als extrem gefährdet. Daher kommen auch in der Nordsee nur wenige Gebiete in Frage, in denen eine Wiederansiedlung der Meerestiere möglich wäre. Neben dem Borkum-Riffgrund handelt es sich dabei um das Sylter Außenriff und die Doggerbank. In allen drei Gebieten ist die Bodenschleppnetz-Fischerei bereits verboten. Darüber hinaus gibt es hier keinen Sand- und Kiesabbau, sodass sich die Austern ausbreiten könnten. Das Projekt zur Wiederansiedlung der Austern ist kostspielig. Mit rund 854.000 Euro wird das Projekt zu Buche schlagen. Doch die hohen Investitionen lohnen sich, denn die Austernart Ostrea edulis ist für das Ökosystem von unschätzbarem Wert. Mittlerweile kommt auch in der Nordsee häufiger die Pazifische Auster vor. Bei ihr handelt es sich um eine invasive Art, die gerade aus naturschutzrechtlicher Sicht kritisch betrachtet werden muss. Viel wichtiger für das Ökosystem wäre die seit Jahrzehnten ausgestorbene Europäische Auster. Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass diese Austernart im nordfriesischen Wattenmeer seit dem Jahr 1241 zu finden war. Die Austernbänke litten dann jedoch unter der massiven Überfischung, sodass sie schließlich im 19. Jahrhundert aus dem Meer verschwanden. Auch in den laufenden Jahrzehnten konnten sich die Bestände nicht wieder erholen. Eiswinter und Stürme, aber auch Krankheiten und Parasiten machten eine Erholung beinahe unmöglich. Mittlerweile gelten die Austernbestandteile schon als Negativbeispiele dafür, wie schnell es zur Bestandsübernutzung in den Meeren kommen kann.


Europäische Auster wächst nur langsam


Gefährdet wird der Austernbestand auch durch das Wachstum der Meerestiere. Die Europäische Auster wächst nur sehr langsam. Darüber hinaus bevorzugt sie als Ort zum Wachsen das Schalensubstrat der eigenen Art. Das ist auch das Geheimnis der hohen Bedeutung der Austern. Durch ihre Wachstumsvorlieben entstehen in den Meeren Riffe, in denen viele andere Tiere wichtige Nahrung, Kinderstuben, aber letzten Endes auch Schutz finden. Pro Tag kann eine Auster darüber hinaus trotz ihrer doch überschaubaren Größe 240 Liter Meerwasser filtern. Derzeit ist jedoch noch vollkommen offen, ob die Europäischen Austern überhaupt die Chance haben, sich gegen die pazifischen Konkurrenten zu behaupten. Dabei sind die bevorzugten Lebensräume der beiden Austernarten verschieden. Die Pazifischen Austern bevorzugen das Flachwasser. Die Projektleiterin des nun begonnenen Forschungsprojekts glaubt nicht daran, dass sich die Pazifische Auster vom Flachwasser auf den Weg in eine Tiefe von 25 bis 30 Metern machen wird. Jene Tiefen bilden den bevorzugten Lebensraum der Europäischen Auster.

Europäische Austern bevorzugen Buchten


Wichtiger Lebensraum der Europäischen Austern sind Buchten, die einen stabilen Salzgehalt aufweisen und in denen ein fester Untergrund vorhanden ist. Von Natur aus sind sie in Gezeitenzonen bis 80 Meter Wassertiefe zuhause. Im Vergleich zu anderen Austernarten bilden sie jedoch keine klassischen Bänke, sondern sind vorwiegend im Abstand von mehreren Metern zu finden sind. Bei Niedrigwasser verschließen sich die Klappen der Austern fest. Wichtig ist jedoch, dass die Temperaturen nicht zu niedrig sind. So werden im Sommer wenigstens Wassertemperaturen von rund 15 Grad Celsius benötigt. Darüber hinaus muss der Salzgehalt nicht unter 19 Promille sinken.